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Abstract H. Giersiepen

Epigraphische Schrift und Schriftelemente als Bedeutungsträger in der frühen Neuzeit

Inschriften in Bildern wurden auch von epigraphischer Seite bereits vielfach untersucht, insbeson­dere im Hinblick auf die Wechselwirkung zwischen Text und Bild. Dass und wie neben dem Inhalt der Inschriften auch äußerliche Faktoren zur Kontextualisierung und Codierung des Bildes beitragen, wurde anhand einiger rheinischer Gemälde des 16. Jahrhunderts nachvollzogen.

Inschriften lenken die Aufmerksamkeit des Betrachters vom Bildinhalt ab, ändern Fokus und Blickrichtung und verändern somit die Wahrnehmung und Deutung des Bildes. Während dieser Vorgang bei offen ins Bild gesetzter Schrift schon beim ersten Betrachten abläuft, werden Inschriften an versteckter Stelle meist erst wahrgenommen, wenn die ikonogra­phische Erschließung des Bildes fortgeschritten ist. Ein erschwerter Zugang zur Inschrift durch ungewohnte Leserichtungen, eine versteckte Anbringung oder die Verschlüsselung des Textes erhöhen das Interesse daran, ihn zu entziffern.

Inschriften in fremden Sprachen und/oder Alphabeten können von Menschen, die diese Sprache nicht beherrschen, ohne zusätzliche Erläuterungen nur als Zeichen mit symbolischer Bedeutung aufgefasst werden. Griechische oder gräzisierende Schrift wurde als Hinweis auf die Herkunft oder das Bildungs­interesse einer dargestellten Person verstanden und war dabei neutral oder positiv konnotiert. Hebraisierende oder hebräische Schriftzeichen funktionieren als Bildele­mente, die Personen oder eine Umgebung als jüdisch definieren; die positive, neutrale oder negative Konnotation hing von der Rolle der Dargestellten im Alten Testament bzw. in der Heilsgeschichte ab.

Die Schwierigkeiten, nicht nur mit fremden Sprachen, sondern auch mit fremden Alphabeten umzugehen, werden anhand der Versuche, den dreifachen Kreuztitulus umzusetzen, sichtbar.

 

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